Kiekebusch von Krake

by Metrophonie

Wir hatten uns endlich zusammengefunden, Christoph und ich, um uns unserer gemeinsamen Liebe, technoider elektronischer Musik hinzugeben – oder was man für Hingabe hält, wenn man um die 40 Jahre herum ist.

Eigentlich war es ein verspäteter Geburtstag aus dem Winter, den ich beim Nachfeiern im Frühsommer an der Havel verpasst hatte, und der nun, über den Hypothetischen Umweg einer Fahrradtour mit Zeltnacht am See – als das Kiekebusch-Abschluss-Open-Air des Krake-Festival, vor uns lag.
Vor ein paar Wochen hatten wir die erste Hälfte vorgelegt, beim Baden am Türkisgrünen Liepnitzsee, und gelungen den Berliner Sommer in uns aufgesogen. Das hatten wir ganz sportlich mit dem Fahrad gemacht, und so war es auch heute keine Frage gewesen, das jetzt anders zu machen.

Irgendawann am Weg entlang, der Stadt heraus, sind wir dann an der nordöstlichen Ecke des Flughafen Berlin-Schönefeld angekommen, obwohl unsere Routenplaner, -Finder und Kartierer hier nichts zum Vorbeifahren gefunden hatten. Unsere juvenile Abneteuerlust hatte uns wohl trotzdem hierhergeführt. Die Routenplaner hatten recht, zumindest was man den Willen der Landschaftsplaner vor Ort betreffend sagen konnte, die um diese räumlich massiv eingreifende Umweltkonstruktion nicht einmal einen ordentlichen Wirtshchaftsweg vorgesehen hatten, den man bequem zu Fuß oder mit Rad zum Umfahren des rießigen Flugfelds benutzen konnte.

Was doch das mindeste wäre, wenn man den Menschen ein solches Machinatop vor die Nase und vor allen Dingen auf die Ohren setzt. “Dann hätten die wenigstens etwas ergreifendes zu sehen, und deren eigenes Hören und Riechen wäre positiv maschiniger”, denke ich bei sowas immer. Nunja. Für diese Planermentalität und -medialität könnte auch bei einem anderen Stand des Fertigstellungserfolgs solcherweise Denken und Fühlen wohl kaum etwas bedeuten. In deren Plänen sind die Menschen auf dem Radweg so groß wie Läuse.

Glücklicherweise hat der Flughafen Willy-Brandt aber etwas Innovationsstau, und so kommen wir nach kurzen Niemandslandirritationen, auf den fertig ausgebauten Flughafen-Autozubringern, die menschenleer in Ruhe daliegen.

Asphaltbänder//mit Leitplankenbändern//dazwischen die Streifen//gestrichelt//
rauh der Boden//die Farbe//die Weite.

Alle Wege führen zur Transversale, die weit ins Flugfed eindringt. Wir müssen aber hinüber und so kreuzen wir die Planken, Streifen und Bänder (und eigentlich auch die Gleise) was uns mit Autoverkehr kaum gelungen wäre.

Danach waren wir endlich auf einem Feldweg eingefahren, der uns schon an seinem Anfang das Ankommen am Ende vorfühlen lies. Rechts von uns fahren irgendwelche Mähmaschinen die Wiesen hinterm Flughafenzaun entlang, und ich frage mich kurz, ob mehdorn jetzt auf ökologische landwirtschaft umgestellt hat. Deren Brummen blendet in und aus dem kurzen Hundeintermezzo und findet dann schon im audioscope des radarturms und ersten bleep-bleeps aus den Büschen statt, die wir da vor uns aus einer Senke herauswachsen sahen.

Kiekebusch_0065

Wir sind beim

Kiekebusch_DSC_0007b

Kiekebusch_DSC_0031

Kiekebusch_DSC_0067

Kiekebusch_DSC_0060b

Kiekebusch_DSC_0069

Kiekebusch_DSC_0083

Kiekebusch_DSC_0087b